Heute haben einige Mitglieder des Kreisanglervereins Wittenberg e.V. in Kooperation mit Fischer Jörg Flemmig eine Bestandsreduzierung der Fische im Wittenberger Schwanenteich vorgenommen. Der Schwanenteich im Herzen der Lutherstadt Wittenberg ist ein bemerkenswertes Biotop, das ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Flora und Fauna schat. Allerdings kann eine Überpopulation von Fischen dieses empfindliche Gleichgewicht rasch gefährden. Dies wurde in letzter Zeit durch die häufigen Funde toter Fischkadaver deutlich. Ein überfüllter Teich hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Wassertrübung und den Sauerstogehalt, sondern kann auch das Algenwachstum begünstigen und die Gesundheit der Fische gefährden. Aus diesem Grund suchten Vertreter der Stadt Wittenberg den Kontakt zum Kreisanglerverein, um Unterstützung bei diesem Problem zu erhalten.

Warum ist eine Regulierung des Fischbestands notwendig?
Fische sind ein wesentlicher Bestandteil des Teichökosystems, aber ein übermäßiger Bestand kann zahlreiche negative Auswirkungen nach sich ziehen:
- Sauerstomangel:Fische benötigen Sauersto, der insbesondere in den warmen Sommermonaten knapp werden kann. Eine Überpopulation kann dazu führen, dass der Sauerstogehalt für andere Lebewesen unzureichend ist.
- Nahrungsmangel im Winter:
Wenn Fische im Winter nicht genügend Nahrung finden, kann dies zu einem Rückgang der Fischpopulation und einer Schwächung der verbliebenen Fische führen. - Schlechte Wasserqualität:
Hohe Nährstoeinträge aus Exkrementen und Futter verursachen organische Belastungen, die das Wasser trüben und das Algenwachstum begünstigen. - Gesundheitliche Probleme:
Eine hohe Fischdichte auf engem Raum fördert Krankheiten und Stress, was die Immunabwehr der Tiere beeinträchtigt.

Eine gezielte Regulierung des Fischbestands ist daher unerlässlich, um das ökologische Gleichgewicht im Teich zu bewahren und die Lebensqualität aller Bewohner zu sichern. Durchdas Abfischen überschüssiger Fische kann die Gesundheit des Teichs und seine Biodiversität geschützt werden.
Das Hauptziel der heutigen Maßnahme war die Reduzierung der Population von Silber- und Marmorkarpfen. Diese beiden Arten, die wie der Graskarpfen zu den pflanzenfressenden Fischen zählen, sind Cypriniden chinesischen Ursprungs. In den 1960er und 1970er Jahren wurden sie zusammen mit Graskarpfen über Russland in die damalige DDR eingeführt. Die Staatsführung der DDR erkannte ihren Wert für die ostdeutsche Binnenfischerei und schätzte ihn sogar höher ein als den des Graskarpfens. Ziel war es, nicht nur hochwertigen Fisch ohne Futtermittelzucht zu erzeugen, sondern auch die Wasserqualität in stark eutrophierten Gewässern zu verbessern. Daher war die künstliche Zucht und Verbreitung dieser Fische ein fester Bestandteil der staatlichen Produktionspläne der Binnenfischereibetriebe in der DDR.
Silber- und Marmorkarpfen, einschließlich Graskarpfen, stammen ursprünglich aus China und breiten sich zunehmend weltweit aus. Sie erreichen typischerweise eine Länge von 0,8 bis 1 Meter und ein Gewicht von über 50 Kilogramm. Lange Zeit wurde geglaubt, dass sie Algenblüten verhindern könnten. Allerdings kann ihr Fressverhalten die Gewässer erheblich beeinflussen und sogar zur Entstehung von Algenblüten führen. Da sie ausschließlich Phytoplankton fressen, stehen sie in direkter Konkurrenz zu Weißfischen und Muscheln, die das Wasser filtern.
Beide Arten tragen zur Erhöhung des Nährstogehalts in Gewässern bei. In Deutschland sind die Bestände der Marmorkarpfen aufgrund von Besatzverboten und dem Mangel an geeigneten Fortpflanzungsbedingungen rückläufig. In den USA hingegen wird das Gefährdungspotenzial sowie die damit verbundenen Kosten durch invasive Marmor- und Graskarpfen zunehmend deutlicher erkannt.
Entnommene Fische:
- 47 Silber- bzw. Mamorkarpfen (ca. 500 kg)
- 14 Brassen
- 2 Schleien
- 1 Barsch
Text: Daniel Haberzettl